F¸r
den griechischen Obersten Einige
Monate vorher hatte er in einem Interview das politische Programm der Milit‰rjunta
so zusammengefa_t: "Das Endziel der Revolution vom April 1967 ist es, einen
Sprung nach vorne in Richtung des Fortschritts zu machen; dieser Schritt kann
nicht ohne eine Beseitigung jeder Neigung zum Parlamentarismus vollzogen werden". Um
dieses Ergebnis zu erreichen, hat die Milit‰rjunta eine Gruppe getreuer
Juristen zusammengestellt, die die Das
Attentat auf Papadopoulos, das am 13. August eine Gruppe junger Mitglieder der
Zentrums-Union unter der Leitung von Der
Staatsstreich von 1967 hat nicht die Probleme dieses Landes gelˆst, das immer
zwischen R¸ckst‰ndigkeit und autorit‰rer Modernisierung schwankte. Seit dem
Ende des B¸rgerkriegs haben sich an der
Macht Milit‰rjuntas und schwache, nur durch den Kˆnig legitimierte
Regierungen abgewechselt. Am politischen Leben nehmen nur wenige Parteien teil,
und eine Gewerkschaftsaktivit‰t an den Arbeitspl‰tzen gibt es kaum. Sicher,
die bis zum Staatsstreich geltende Verfassung machte aus Griechenland eine
"demokratische Monarchie", in der die Unterscheidung zwischen
legislativer, exekutiver und legeslativer Macht gilt, aber in der der Kˆnig
weitgehende Einflu_mˆglichkeiten auf die Regierung hat; au_erdem sind die
zivilen, politischen und gewerkschaftlichen Freiheiten zwar garantiert, aber das
Streikrecht ist an die "nationale Sicherheit" gebunden, w‰hrend die
Pressefreiheit bis zu den sechziger Jahren starken Beschr‰nkungen unterworfen
bleibt. Die einzig starke Macht ist die Armee,
die sich selbst als die Wache betrachtet, die die Werte des ewigen
Griechenlands garantiert. Bei
Beginn der sechziger Jahre blieb die Armee allerdings neutral bei dem kurzen
Zwischenspiel, der von dem Konservativen Karamanlis gebildeten Regierung, die
bis 1963 im Amt bleibt, als sie auf Druck von Kˆnig Konstantin abtreten mu_.
Die Gr¸nde, die den Monarchen dazu zwingen, den Regierungschef zu entlassen,
sind dieselben wie schon fr¸her: Die Korruption des Regierungsapparats und die
Streitigkeiten zwischen den Regierungsmitgliedern. Aber dieses Mal gibt es einen
weiteren: Das von den neuen politischen Organisationen vorgebrachte Verlangen
nach grˆ_erer Demokratie, das eine R¸ckkehr der Milit‰rs zur Macht "wenig
ratsam" erscheinen l‰_t. Zwischen dem Ende der f¸nfziger und dem Anfang
der sechziger Jahre hat sich die griechische politische Landschaft in Eile
gewandelt. Die ERE
hat sich gebildet, eine konservative Partei, die trotzdem an den demokratischen
Fortschritt glaubt; Georgios Papandreu hat
die Zentrums-Union gegr¸ndet, w‰hrend eine linke Gruppe namens EDA entstanden
ist, die Sozialisten und Kommunisten vereinigt, obwohl letztere seit 1949 "illegal"
sind. Aber
die grˆ_ten Ver‰nderungen sind in der Sozialstruktur
geschehen. Die inneren Wanderungsbewegungen haben aus
Athen in jeder Hinsicht eine Gro_stadt gemacht, und in den griechischen St‰dten
hat sich ein Mittelstand herausgebildet, der, mit nach und nach immer
radikaleren Positionen, eine Modernisierung des Landes im Rahmen demokratischer
Institutionen will. Eine weitere Folge der Verst‰dterung ist das
Bildungsniveau vieler Jugendlicher, die zum ersten Mal in der Geschichte des
modernen Griechenlands an die hˆheren Schulen und die Universit‰ten gelangen
und die, frei von der Erinnerung an den B¸rgerkrieg,
die das politische Leben des Landes gel‰hmt hatte, die Protagonisten des ˆffentlichen
Lebens bis zum Staatsstreich geworden
sind. Es waren in der Tat die Studenten, die 1963 Protestdemonstrationen
abhielten nach der Ermordung des jungen Kommunisten Gregori Lambrakis durch die
Polizei. Diese Mobilisierung f¸hrte zum Sturz der Regierung, zu vorgezogenen
Parlamentswahlen und zum Sieg von Georgios Papandreus Zentrums-Union, einer
heterogenen politischen Organisation, die Sozialisten, Gem‰_igte und Liberale
zusammenfa_te. Aber ab dem Amtsantritt der neuen Regierung radikalisieren sich
die politischen und sozialen Kontraste: Kˆnig Konstantin spricht sich mehrfach
gegen die Regierung aus, das Eingreifen der Polizei bei den Demonstrationen der
Zentrums-Union oder der EDA ist arrogant und provokatorisch. Die Armee verh‰lt
sich zwar neutral, aber bei mehr als einer Gelegenheit erkl‰ren einige
Offiziere, da_ sie nicht "unt‰tig der Ausbreitung des Chaos und der
Anarchie zusehen werden". Au_erdem
ist die politische B¸hne Griechenlands in Aufruhr. Die Absicht der Regierung,
den Verteidigungsminister und den Generalstabschef der Armee abzusetzen, wird
vom Kˆnig abgelehnt, der Neuwahlen ausruft, w‰hrend die Stra_en Athens,
Salonikis und der anderen griechischen St‰dte Schauplatz von Demonstrationen
und wiederholten Zusammenstˆ_en zwischen Studenten und der Polizei werden. Die
Zentrums-Union spaltet sich, Papandreu verliert die Parlamentsmehrheit, und es
werden Neuwahlen ausgerufen. Kˆnig
Konstantin erkl‰rt, da_ die Verfassung ge‰ndert werden mu_, um die Macht der
Exekutive zu st‰rken und um die zivilen und politischen Freiheiten dem
sozialen Frieden unterzuordnen. Im M‰rz 1967, einen Monat vor dem Staasstreich,
erscheint die von Georgios Papandreus Sohn Andreas herausgegebene Zeitung "Etnos"
mit der Schlagzeile: "Wir werden eine Revolution auslˆsen, wenn man
versuchen sollte, die Verfassung zu verletzen", w‰hrend die gem‰_igtere
"Ta Nea" schreibt: "Wenn der Kˆnig den Staasstreich w‰hlt,
bleibt als einzige Lˆsung die Revolution". In diesem Klima organisieren am
21. April 1967 Georgios Papadopoulos, Stylianos
Pattakos und Nikola Makarezos den
Staatsstreich. Die
drei Milit‰rs erkl‰ren ihre Treue zum Kˆnig, verk¸ndigen, da_ die Chefs
der wichtigsten Parteien unter Hausarrest stehen und da_ der Putsch im Lande
unblutig gewesen ist. Trotzdem
werden Tausende von Personen auf die Inseln Yaros und Leros deportiert, darunter
zahlreiche Intellektuelle wie der ber¸hmte Komponist Mikis
Theodorakis. Aber
die meisten europ‰ischen L‰nder haben den Putsch verurteilt, und nach
monatelangen Anhˆrungen, bei denen die Folter und die Verletzungen der
Menschenrechte blo_gestellt werden, wird Griechenland am 31. Januar 1968 nach
einer aufsehenerregenden Abstimmung aus dem Europarat ausgeschlossen, obwohl die
Vereinigten Staaten das Putschistenregime anerkennen. F¸r
die Milit‰rjunta bedeutet das eine Niederlage. Die Ausarbeitung der neuen Verfassung
wird beschleunigt und dann einer Volksabstimmung
unterbreitet. In diesem Klima organisiert Alexandros Panagulis sein
Attentat auf Papadopoulos. Trotz seinem Scheitern verwandelt sich das Attentat
in einen Anklageakt gegen das Milit‰rregime, der ein weites internationales
Echo findet. W‰hrend des Prozesses stellt Panagulis den systematischen
Gebrauch der Folter und die Verwicklung der NATO in
den Staatsstreich unter Anklage. Der junge Grieche wird zum Tode verurteilt;
aber die Strafe wird nie vollstreckt, sondern Panagulis stattdessen des Landes
verwiesen dank des internationalen Drucks, der seine Freilassung forderte. Die
internationale Isolierung Griechenlands wird von Kˆnig Konstantin als eine
Gelegenheit betrachtet, um der Krone wieder ein grˆ_eres Gewicht im ˆffentlichen
Leben zu verschaffen. Konstantin wurde nach dem Staatsstreich an den Rand gedr‰ngt,
aber unterst¸tzte die Milit‰rjunta aufgrund des starken Drucks durch die
US-Botschaft. In den darauffolgenden Monaten versuchte er jedoch, einen
Gegenputsch gegen die Junta von Papadopoulos, Pattakos und Makarezos zu
organisieren. Es fand aber nur eine ˆffentliche Erkl‰rung Konstantins gegen
die Junta statt. Am 13. Dezember floh er aus Griechenland. So sind die Milit‰rs
alleinige Herren der Lage geblieben. Das zur Best‰tigung der neuen Verfassung
angesetzte Pseudo-Referendum vom September 1968 geht in ein Plebiszit zu ihren
Gunsten aus. F¸r die regierenden Obristen bedeutet das, da_ in Griechenland
"Ordnung herrscht" und da_ viele Oppositionelle freigelassen werden kˆnnen,
auch wenn der Sprecher der Obristen bedauert, da_ einige Oppositionsf¸hrer
trotzdem in Hausarrest bleiben m¸ssen, weil sie ihre "antinationale"
T‰tigkeit fortsetzen. Nur der alte und kranke Georgios
Papandreu wird freigelassen. Am 1. November stirbt der
alte Parteichef. Zwei Tage sp‰ter verwandelt sich der Trauerzug, den der hˆchste
Vertreter der orthodoxen Kirche in Athen anf¸hrt, in eine Demonstration gegen
die Milit‰rjunta. Die Polizei schreitet brutal ein, und Hunderte von
Demonstranten werden verhaftet. Das sollte die letzte Demonstration gegen die
Milit‰rdiktatur bis zum November 1973 sein, als sich die Studenten des Polytechnikums
im Inneren der Universit‰t verbarrikadieren: ein
bewaffneter Aufstand gegen die Obristenjunta, die sich entschlie_t, Panzer gegen
die Studenten einzusetzen. Am
Ende setzt sich Europa durch, und das Milit‰rregime endet mit der Verhaftung
eines Gro_teils der Armeespitze.
www.media68.com | february 1998
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Derweilen
werden alle von der Regierung Papandreu durchgef¸hrten Reformen abgeschafft und
die Pressefreiheit und die politischen Freiheiten aufgehoben. "Wir wollen
das Griechenland der christlichen Griechen retten" ist der Slogan der Milit‰rjunta,
und ihre erste Ma_nahmen sind das Verbot langer Haare f¸r die M‰nner und der
Hosen f¸r die Frauen und die Wiedereinf¸hrung des archaisierenden Griechisch
als Amtssprache.
Eine
Woche lang verwandelt sich Athen in ein Schlachtfeld, und das blutige Ende der
Revolte bedeutet auch den Sturz der Junta. Als letzte Notlˆsung entfernen die
Milit‰rs die Hauptfiguren des Staasstreichs von 1967 und glauben, sich so an
der Macht halten zu kˆnnen. Sie verk¸ndigen die Abschaffung der Zensur und
eine schrittweise Wiederzulassung der demokratischen Parteien, mit Ausnahme der
kommunistischen: Eine Art beschr‰nkter Demokratie, in der die Armee die
Doppelrolle des Garanten und der Legitimierungsgrundlage der Exekutive
darstellen sollte. Dieses Projekt findet einen m‰chtigen Verb¸ndeten in den Vereinigten
Staaten, aber nicht in Europa.