F¸r
den aufsehenerregenden und massiven Beginn der Achtundsechzigerbewegung in der
Bundesrepublik Deutschland kann man ein genaues Datum angeben. Am 2. Juni 1967,
w‰hrend einer Studentendemonstration gegen den Berlinbesuch des Schahs von
Persien, Reza Pahlewi, tˆtete ein von einem Polizeibeamten abgegebener Schu_
den Studenten Ab
Mitte der sechziger Jahre erschˆpfte sich das Wirtschaftswunder des
Wiederaufbaus unter Konrad Adenauer und Ludwig Erhard, bis hin zur Dieses
neue Klima hatte den Weg f¸r den Zugang der Sozialdemokraten zur
Regierungsverantwortung geˆffnet, auf Kosten eines entschiedenen Verzichts auf
alle Anwandlungen von radikalem Reformismus und Klassenkonflikten. Gegen
Ende 1966 wurde so die " Nach
dem Das
in Berlin entwickelte Modell der direkt von den Studenten organisierten In
Berlin wird gegen den Besuch des US-amerikanischen Vizepr‰sidenten Der
Protest gegen den Vˆlkermord in Vietnam ist f¸r die jungen Deutschen auch eine
Weise, um die Verdr‰ngung der Au_er
gegen den Konformismus der Nachkriegszeit und seine Verdr‰ngungen richtet sich
die Jugendrevolte auch gegen die Riten und Mythen der Konsumgesellschaft, die
famili‰ren und gesellschaftlichen Hierarchien und die Sexualmoral. Sie
probiert neue Beziehungsformen wie die Stark
ist der Einflu_ der Kritischen Theorie von Es
fehlt au_erdem nicht an Kontakten mit Diese
hˆchst intensive Erarbeitung und Zirkulation von Ideen findet ihr Organ in der
angesehensten Zeitschrift der Neuen Linken, dem von Hans Magnus Enzensberger
1965 gegr¸ndeten " Die
Rechte betrachtet Berlin und S¸dvietnam als verbr¸dert, weil sie beide
Bollwerke der freien Welt gegen den Kommunismus w‰ren. Das
Jahr 1968 beginnt im Februar mit einem Kongre_ und einer gro_en Demonstration gegen
die US-Aggression in Vietnam, der eine vom Berliner
Senat, der Gewerkschaft und der Springergruppe organisierte Gegendemonstration
folgt. Am
3. April ver¸ben Andreas Baader, Gudrun Ensslin, Sˆhnlein und Proll einen
Brandanschlag mit antiimperialistischen Begr¸ndungen gegen zwei Kaufh‰user in
Frankfurt. Sie werden am Tag darauf verhaftet, aber damit beginnt die Geschichte
des bewaffneten Kampfes in der BRD, der 1970, nach der Flucht Baaders, zur
Bildung der RAF (Rote Armee Fraktion) mit
Hilfe Ulrike Meinhofs f¸hren sollte. Am
11. April, wenige Tage vor Ostern, gibt Joseph Bachmann, ein junger Anstreicher
mit verworrenen rechten Ideen, drei Pistolensch¸sse auf Rudi Dutschke
ab, den bekanntesten und charismatischsten Vertreter
des SDS. Dutschke ¸berlebt das Attentat wie
durch ein Wunder, aber erleidet schwere Verletzungen, die seinen sp‰teren Tod,
am 24. Dezember 1979, hervorrufen sollten. Bachmann
wird sofort verhaftet und 1969 zu sieben Jahren Haft
verurteilt, trotz der von der Bewegung gewollten Verteidigung durch Horst
Mahler, den bekanntesten Anwalt des SDS; Bachmann
begeht sp‰ter im Gef‰ngnis Selbstmord. In Berlin bricht sofort eine Revolte
aus, und es kommt zu gewaltsamen Zusammenstˆ_en zwischen Polizei und
Demonstranten, die versuchen, den Sitz der Springergruppe anzugreifen.
In den darauffolgenden Tagen greift die Revolte auf andere 27 St‰dte ¸ber, wo
die Geb‰ude und die Lieferautos des Verlegers angegriffen werden, der f¸r das
Ha_klima verantwortlich gemacht wird, das den Attent‰ter inspiriert hat. Die
sogenannten "Osterunruhen" gelten
als die schwersten seit den Zeiten der Weimarer Republik. Am Ende werden
Hunderte von Verletzten und zwei Tote in M¸nchen gez‰hlt. Im
Mai versucht eine riesige Mobilisierung, die Verabschiedung der
Notstandsgesetze zu verhindern, einer Reihe von
Einschr‰nkungen der verfassungsm‰_igen Rechte, zu der sich die SPD seit l‰ngerem
bekehrt hat. Aber nach dem Nachgeben der Gewerkschaftsopposition (nur die IG
Metall k‰mpft bis zum Ende dagegen) werden die Notstandsgesetze vom Parlament
mit der notwendigen Zweidrittelmehrheit verabschiedet. Nach
dieser Niederlage beginnt der Abstieg des SDS,
den Fraktionsk‰mpfe und der Konflikt zwischen "Spontaneisten" und
Anh‰ngern des leninistischen Organisationsmodells aufreiben, w‰hrend auf
einer ganz anderen Ebene auf dem Frankfurter Kongre_ im September die Frauen
der Organisation den im SDS herrschenden Machismus
anklagen. Am
Ende des Jahres werden die ersten kommunistischen Miniparteien gegr¸ndet,
die DKP (Deutsche Kommunistische Partei) und die maoistische KPD, dann der
Spartakusbund (die Jugendorganisation der DKP) und die Roten Zellen, und sp‰ter
undogmatische und dauerhaftere Gruppen, wie das Sozialistische B¸ro. Die
Bewegung verschiebt sich von den Universit‰ten in die Stadtviertel, in einige
Sektoren der Arbeiterschaft und der Gewerkschaft und zu den Lehrlingen, w‰hrend
im September 1969 auch in Westdeutschland spontane Arbeiterstreiks gegen die
Unterschrift der Gewerkschaft unter die Tarifvertr‰ge stattfinden. Die zwei
Jahre der Bewegung enden mit dem Wahlsieg der SPD bei den Wahlen vom 28.
September, die den Ausschlu_ der CDU/CSU von der Regierung und die Schaffung
einer sozialliberalen Koalition ermˆglicht. Sie wird vom Kanzler Brandt
geleitet und setzt sich f¸r die Entspannungspolitik
ein, ist aber trotzdem nicht ohne autorit‰re und repressive Z¸ge. Der
SDS lˆst sich offiziell im M‰rz 1970 auf. Aus der Rebellion von 1967-69 geht
einerseits eine "Alternativbewegung" hervor, die auf das Wirken im
gesellschaftlichen Umfeld und die Schaffung eigener, autonomer Lebensbereiche
gerichtet ist. Sie geht sp‰ter, durch die Friedens- und Antiatomkraftbewegung,
grˆ_tenteils in die Kultur- und Umweltschutzorganisationen ein. Andererseits
gehen daraus die beiden antithetischen Untergrundorganisationen der RAF
und der "Bewegung 2. Juni"
hervor. Die tragische Geschichte der antiimperialistischen und
hypermilitarisierten RAF spielt sich zwischen der blutigen Attentatsserie im Fr¸hjahr
1972 und dem geheimnisvollen Tod Baaders und seiner Genossen im Gef‰ngnis im
Oktober 1977 ab. Die zweite Organisation ist anarchistisch angehaucht und
schwankt zwischen bewaffnetem Kampf und Subkultur; sie ver¸bt ihre spektakul‰rste
Aktion 1974 mit der Entf¸hrung des christdemokratischen Politikers Peter Lorenz
und ist Teil einer Strˆmung, die sp‰ter in den Autonomen aufgeht.
www.media68.com | february 1998
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Die
Reaktion der Rechten gegen die Studentenbewegung ist vehement. Die Springergruppe,
die 78% der Berliner Presse und 33% der Presse in ganz Deutschland kontrolliert,
f¸hrt gegen die Studenten eine blindw¸tige Pressekampagne, in der sie diese
anklagt, Unruhen und Anarchie zu sch¸ren und im Dienste des Sowjetblocks zu
handeln.